Wissenschaftlicher Beirat
Lena Eckert

MA, Gender History, University of Essex, UK
MA, Gender Studies, Humboldt Universität Berlin

Forschungen / Praxis aktuelle Projekte Publikationen

Forschungen Praxis

seit 2005 Dissertationsprojekt zur diskursiven Verschraenkung von gender und race in ethnologischer Forschung zu gender identity.
seit 2005 Magistra der Gender Studies "The Body of Theory - the ambiguous uses of the gender-concept" ... mehr
2004 Master of Arts in Gender History (by Dissertation): "The Historicisation of the hermaphroditic/intersexed body: From Medicalisation to De-Medicalisation" ... mehr
2003 Kurzinterviews mit Intersex-AktivistInnen:
Thematik:

Intersex-Aktivismus und seine Rolle im Prozess der De-Madikalisierung von Intersexualität

Schwerpunkte:
  • Geschichte der Intersex- Bewegungen
  • Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen der aktiven Gruppen
  • Die Rolle des Internet
2001 - 2002 Leitung des Tutoriums "Geschichte der Gender Studies - Interdisziplinarität - Macht und Wissenschaftskritik"
2001 - 2002 Mitarbeit an der Vorbereitung der Crossover Conference, Bremen
1998 - 2002 Mitbegründerin der studentischen Fachschaftsinitiative der Gender Studies an der Humboldt Universität Berlin
1998 - 2002 Teilnahme an der Gemeinsamen Kommission der Gender Studies an der HU Berlin

Aktuelles Projekt

PhD project (Dissertationsprojekt) an der University of Leeds
"Intersexualitätsforschung" von 1950 bis 1980 und die, der Entwicklung des universellen "gender"-Konzeptes immanente, diskursive Verschränkung von "race" und "gender". "Research into intersexuality" from 1950 to 1980 and its inherent discursive interconnection of "race" and "gender" in the development of the "gender"-concept ... mehr

Publikationen

2006 "Gender- Pathologisierung einer Kategorie?" in Quer - Genderzeitschrift. Journal der Alice Salomon Fachhochschule in Berlin, 12/2006.
copyright 2006 TGNB
 
Wissenschaftlicher Beirat
Lena Eckert

MA, Gender History, University of Essex, UK
MA, Gender Studies, Humboldt Universität Berlin

The Body of Theory - the ambiguous uses of the gender-concept

"The Body of Theory - the ambiguous uses of the gender-concept" beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und Anwendung des "gender"-Konzeptes und den ihm inhärenten Problematiken. Diese Problematiken werden vor allem deutlich in Hinsicht auf die Geschichte der Intersexualitätsforschung. Anhand einzelner ausgewählter AutorInnen, die an der Thematisierung von Intersexualität in Verbindung mit dem "gender"-Konzept teilhatten, werden diskursive Veränderungen und Verschiebungen aufgezeigt und problematisiert. Das "gender"-Konzept wurde zu Beginn der Fünfziger Jahre in den USA in der Entwicklungspsychologie entwickelt. Die dieser Forschung zugrunde liegende Annahme der "biologischen Natürlichkeit" der Zweigeschlechtlichkeit hat die gewaltsame Verstümmelung von intersexuell-identifizierten Kindern zur Folge, die bis zum heutigen Zeitpunkt durch die Berufung auf die Herstellbarkeit eines entweder männlichen oder weiblichen "sozialen Geschlechts" durchgeführt wird. Das "gender"-Konzept wurde als analytische Kategorie von der feministischen Forschung adaptiert, um die Konstruiertheit der patriarchalen Ordnung aufzuzeigen, jedoch wurde dabei die dem "gender"-Konzept innewohnende Trennung zwischen einem vermeintlich "biologischen" und einem "sozialen" Geschlecht in die neu entstandenen Theorien der Gender Studies transportiert. Nicht nur in der feministischen Forschung verhinderte das "gender"-Konzept eine erfolgreiche Dekonstruktion der "sex/uellen Differenz", sondern auch in der ethnologischen Forschung zu Intersexualität wurde eine universelle "sex/uelle Differenz" durch die Etablierung der Kategorie des "Dritten" wieder eingeschrieben. Durch die kritische feministische Forschung zu der Konstruktion von (intersexuellen) Körpern in der Biomedizin wurden Herstellungsmechanismen dieser "Wahrheiten" entlarvt, jedoch wurde trotzdem die Macht der heterorelational und komplementär angelegten "Sex/Gender/Sexualitäts-Systeme" nicht endgültig in Frage gestellt. Durch die dekonstruktivistische Wende in den Gender Studies, Queer Studies, sowie der Transgender Theory seit den Neunziger Jahren wurden Konzepte entwickelt, die es möglich machen, dem essentialisierenden Impetus des "gender"-Konzeptes zu entkommen. Vor allem in den Posthumanity Studies, in Cyborg-Konzepten oder dem "Kontrasexuellen Manifest" sind de-essentialisierende theoretische Konzeptionalisierung auszumachen. Der Pathologisierung von intersexuell-identifizierten Kouml;rpern kann anscheinend nur durch neue Entwürfe zu "Körper" und "Subjekt/ivierung/en", die ihr Augenmerk auf die tatsächliche "Un-Natürlichkeit" aller Menschen richten, entgegengewirkt werden.

The Historicisation of the hermaphroditic/intersexed body:
From Medicalisation to De-Medicalisation

"The Historicisation of the hermaphroditic/intersexed body: From Medicalisation to De- Medicalisation" ist eine Geschichte der westlichen Forschung zu Hermaphroditismus und Intersexualitaet von der griechischen Antike bis heute. Ein besonderer Fokus dieser Arbeit liegt auf den staendigen Verschiebungen der Erklaerungen fuer das "Phaenomen" Intersexualität. Während in der griechischen Mythologie der Ursprung der Menschheit in einem Hermaphroditen Menschen vermutet wurde, hat sich die griechische Medizin in Anhänger der aristotelischen oder der hippokratischen Tradition getrennt. Diese beiden Ansätze wurden in den folgenden Jahrhunderten immer wieder verschiedentlich aufgegriffen und weiter getragen. Während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit waren jedoch Erklärungen von und Forschungen über Hermaphroditismus von einer göttlichen Weltordnung geprägt und somit kaum von medizinischen Definitionen beeinflusst. Erst mit dem Beginn der Neuzeit ist Intersexualität als Forschungsobjekt in die Medizin eingegangen und seitdem pathologisiert. Intersexuierte Menschen werden seitdem von Ärzten und Sexualwissenschaftlern untersucht und oft nicht darüber aufgeklärt, warum sie so interessant sind für die Medizin und die Psychologie. Das Hauptinteresse der Intersexualitätsforschung lag während des 19. Jahrhunderts in der Bestimmung des "wahren" Geschlechts. Seit den 1950er Jahren versucht die verschiedenen Protagonist_innen der Intersexualitätsfoschung vor allem das "beste" Geschlecht intersexuierter Kinder auszumachen. Eine Folge dieser wissenschaftlichen Ausrichtung ist, dass oft an Neugeborenen operiert wird, um die Eltern und die Umgebung nicht vor den Fall eines nicht-geschlechtlichen / geschlechtlich uneindeutigen Kindes zu stellen. Seit ungefähr 20 Jahren wird diese Praxis des "Intersex managments" heftig kritisiert, nicht nur von Theoretiker_innen der Gender Studies, sondern auch von intersexuierten Menschen selbst. Seit mehr als 15 Jahren gibt es mehrere Aktivist_innen Gruppen, die sich für eine Aufklärung von "Betroffenen" einsetzen, Operationen an Neugeborenen verurteilen und Netzwerke bilden. Das medizinische Establishment sieht sich dadurch leider nur teilweise gezwungen, ihr rigides Zweigeschlechtersystem in Frage zu stellen und mit einer neuen Forschung den Anliegen der intersexuierten Menschen gerecht zu werden. Jedoch hat trotzdem durch die Formierung einer sozialen und politischen Bewegung eine Veränderung des medizinischen Umgangs mit Intersexualität stattgefunden. Dennoch beharren vielen Mediziner auf dem Konstrukt des geschlechtlichen Dimorphismus sowie der Notwendigkeit der eindeutigen Zuordnung zu einem Geschlecht und auf dessen Aufteilung in zwei exklusive soziale wie biologische Kategorien.

PhD project an der University of Leeds

Mein PhD Projekt untersucht die "Intersexualitätsforschung" von 1950 bis 1980 und die, der Entwicklung des universellen "gender"-Konzeptes immanente, diskursive Verschränkung von "race" und "gender". In den letzten Jahrzehnten lässt sich eine intensive Beschäftigung mit Intersexualität in verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen - natur-, wie auch sozialwissenschaftlichen - beobachten, zudem haben soziale Bewegungen, allen voran der Feminismus, sich des Themas angenommen. Seit ungefähr einem Jahrzehnt haben sich außerdem Intersex Aktivist-innen zu Wort gemeldet. Im Zuge der "neueren Intersexualitätsforschung", also seit den Fünfziger Jahren hat sich der Diskurs um das "gender"-Konzept etabliert. Jedoch war die Konstruktion dieses Konzepts ein über Jahrzehnte dauernder Prozess während dessen die verschiedenen Ausdifferenzierungen von Unterkategorien, wie "gender role" und "gender identity" immer wieder neu angeordnet und formiert wurden. Die Diffusionen der verschiedenen interdisziplinären Ansätze spielen hierbei eine zentrale Rolle. Insbesondere ethnologische Untersuchungen in nicht-westlichen Gesellschaften sind unter dem Aspekt der Verschränkung von "race" und "gender" und deren Rückwirkung auf die Konstruktion eines universellen "gender"-Konzept interessant. Die diesen Ansätzen inhärente "Rassisierung" steht nicht isoliert, vielmehr ist sie ein Strukturmerkmal einer generell universalisierenden Beschäftigung mit Intersexualität. Dem "gender"-Konzept ist nicht nur die "sex/gender-Trennung" immanent, sondern auch der kaum reflektierte heteronormative Blick.
Mich interessiert daran, welche Verbindungen, aber auch Bruchstellen diese so unterschiedlichen Herangehensweisen zueinander eingehen, so dass sich so etwas wie ein Diskursgeflecht ausmachen lässt. Anhand eines ausgewählten Korpus von Publikationen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, die sich explizit aufeinander beziehen, aber auch explizit voneinander abgrenzen, möchte ich folgende Fragen untersuchen: Welche Geschlechtskodifizierungen lassen sich in den unterschiedlichen Ansätzen ausmachen, wie sind sie ineinander verschränkt worden, aber auch gegeneinander abgegrenzt worden. Welche Rolle spielt darin die Einführung des "gender"-Konzeptes durch den Psychologen John Money in den Fünfziger Jahren?

Welche Funktionen haben die Beschreibungen anderer nicht-westlicher Kulturen generell in diesem Zusammenhang und wie artikuliert sich die Verschränkung der Kategorien "race" und "gender" und damit zusammenhängend, die Herstellung eines universellen "gender"-Konzeptes in Bezug auf die "Intersexualitätsforschung" der Jahre 1950 bis 1980.

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