Presse-Mitteilung

des Transgender Netzwerkes Berlin (TGNB)
Erster europäischen Transgenderrat in Wien

Free choice of the first name / Freie Wahl des Vornamens

Vom 3. bis zum 6. November 2005 beriet der erste europäische Transgenderrat in Wien die wichtigsten Forderungen von Transgenderorganisationen in Europa. Über 120 Transgenderpersonen aus 23 EU- und nicht-EU-Ländern waren vertreten und repräsentierten fast 60 verschiedene Gruppen und Initiativen (Wir verwenden den Begriff „Transgenderpersonen“ als Oberbegriff für Menschen, deren gelebtes Geschlecht nicht notwendigerweise mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt).

„Zentrale Forderungen, die von fast allen VertreterInnen in Wien unterstützt wurden, sind das Recht den Vornamen frei wählen zu können und ein Diskriminierungsschutz für Transgendern in Europa, bzw. in den einzelnen Ländern“, so Carsten Balzer, der Vorsitzende des
wissenschaftlichen Beirates des Transgender Netzwerkes Berlin.

Über die bereits im Vorfeld eingereichten Forderungen wurde Samstagabend abgestimmt. Größte Einigkeit erzielten die Forderungen „Recht auf freie Wahl des Vornamens“, „Antidiskriminierungsgesetze, die
Geschlechtsidentität als Diskriminierungsgrund aufführen“ und „Schutz vor Hassverbrechen (hate crimes)“.

„Uns ging es bei der Abstimmung darum, erst mal einen Überblick zu bekommen, welche Forderungen von den VertreterInnen als wichtig und richtig eingeschätzt werden. Von hier aus könne wir jetzt weiterarbeiten.“ so Jo Schedlbauer von TransX, der die Konferenz mit organisierte.

Neben der Erarbeitung politischer Forderungen stand ein umfassender Austausch der verschiedenen Gruppen untereinander auf der Tagesordnung. Es wurde sehr deutlich, dass sich die Situation von Transgendern in den verschiedenen europäischen Ländern stark unterscheidet. Selbst innerhalb der Europäischen Union ist von Einheitlichkeit keine Spur. Die deutsche Regelung, das „Transsexuellen Gesetz“ von 1980, ist völlig veraltet.

Führend ist in dieser Hinsicht Großbritannien, das im Jahre 2004 den „Gender recognition act“ verabschiedete. Als Voraussetzung für eine Personenstandsänderung sieht dieses Gesetz weder geschlechts-angleichende Operationen noch eine Hormonbehandlung vor.

„Das britische Gesetz ist in Europa einmalig, da es erstmals anerkennt, dass gelebtes Geschlecht und körperliche Geschlechtsmerkmale keine untrennbare Einheit bilden müssen.“ so die Sozialarbeiterin Esther Mosel, die für den Sonntagsclub e.V., eine "Berliner Vereinigung lesbischer, schwuler, bisexueller und transgender BürgerInnen" angereist war. Von den insgesamt 8 deutschen Transgender-Organisationen, die an diesem Treffen teilnahmen, kamen 7 Gruppen aus Berlin, die allesamt wie der Sonntagsclub e.V. im Transgender Netzwerk Berlin TGNB organisiert sind. Damit zeigt sich im Kontext Deutschlands die Stärke, die einer solchen Vernetzung und Zusammenarbeit entspringt und Berlin zum Zentrum der bundesdeutschen Transgender-Bewegung macht.

Weitere Infos zur Konferenz www.tgeu.net

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